Berufsbegleitende Aus- und Weiterbildungen: Chancen und Herausforderungen

Ob neue Kompetenzen, Höherqualifizierung oder beruflicher Wechsel – eine berufsbegleitende Aus- oder Weiterbildung bietet viele Vorteile und Chancen. Die Herausforderungen sollten aber nicht unterschätzt werden. Mit der optimalen Vorbereitung und Organisation können diese Hürden überwunden werden. Wie? Das verrät Sigrid Nindl.
INTERVIEW MIT MAG. DR. SIGRID NINDL RESEARCH + CONSULTING, 3S UNTERNEHMENSBERATUNG

Welche Chancen und Vorteile bieten berufsbegleitende Aus- und Weiterbildungen?

© ArchivGrößer Im heutigen Berufsleben sind Flexibilität und die Bereitschaft zu fachlicher wie persönlicher Weiterentwicklung gefragt. Eine berufsbegleitende Aus- oder Weiterbildung zeigt die eigene Motivation und Bereitschaft, sich mit neuen Themen und Inhalten auseinanderzusetzen, fordert Disziplin und Durchhaltevermögen und bietet die Möglichkeit, sich neue Kompetenzen aufzubauen.
Berufsbegleitende Aus- oder Weiterbildungen ermöglichen z.B. das Nachholen eines Abschlusses, eine Höherqualifizierung oder einfach die vertiefte Auseinandersetzung mit Themen, die einen interessieren. Wenn es sich um fachrelevante Ausbildungen handelt, kann man die erworbenen Kompetenzen idealerweise auch im beruflichen Alltag anwenden.

Wie sind die Bildungsangebote zeitlich organisiert?

Es gibt eine vielfältige Auswahl an berufsbegleitenden Aus- und Weiterbildungsangeboten in unterschiedlichsten Organisationsformen: sei es z.B. über die Woche verteilt jeweils mit Unterrichtseinheiten am Abend, mit Blockveranstaltungen am Wochenende oder mit geblockten Unterrichtseinheiten/-wochen mehrmals im Jahr.
E-Learning oder Blended Learning, d.h. die Kombination von Fern- und Präsenzunterricht, ermöglichen flexibleres Lernen bei eigener Zeiteinteilung, fordern aber auch eine höhere Selbstdisziplin, sich das Lernen entsprechend einzuteilen.

Welche Herausforderungen kommen auf Studierende zu?

Abhängig von der Dauer und Intensität der berufsbegleitenden Aus- oder Weiterbildung bedarf es meist großer Disziplin, diese über einen längeren Zeitraum in den eigenen beruflichen wie privaten Alltag zu integrieren.
Nicht zu unterschätzen ist die Doppel- bzw. Mehrfachbelastung durch die Kombination der Aus- bzw. Weiterbildung mit Berufs- und Privatleben. Gerade bei längerfristigen Aus- oder Weiterbildungen ist daher ein gutes Selbst- und Zeitmanagement wichtig – sowie Verständnis und Akzeptanz vonseiten der Familie, Partner und Freunde.
Wenn man einen Beruf hat, der hohe Flexibilität erfordert, ist es nicht einfach, damit eine berufsbegleitende Aus- oder Weiterbildung mit fixen Anwesenheitszeiten in Einklang zu bringen. Hier ist es wichtig, sich im Vorfeld im Klaren darüber zu sein, was realistisch ist: Wie viel Zeit kann man investieren? Welche Organisationsform passt am besten für die eigene Situation? Gibt es zeitliche Unterstützung vom Arbeitgeber, z.B. durch Freistellungen für prüfungsintensive Zeiten oder Blockveranstaltungen?
Mitunter sind berufsbegleitende Aus- oder Weiterbildungen nicht nur zeit-, sondern auch kostenintensiv. Auch hier gilt es zu überlegen, wie viel man für eine Ausbildung zu investieren bereit ist, ob die Ausbildung im Gegenzug einen entsprechend anerkannten Abschluss bietet, ob es Fördermöglichkeiten gibt oder ob vielleicht der Arbeitgeber finanzielle Unterstützung bietet.

Wie finden Interessierte ein passendes Bildungsangebot und was sollte bei der Auswahl beachtet werden?

Wichtig ist, sich angesichts des vielfältigen Angebots genau zu überlegen, was einen inhaltlich interessiert, und nähere Informationen einzuholen – z.B. bei den Anbietern der Aus-bzw. Weiterbildung, über das Internet, über Personen, die die Aus-/Weiterbildung absolviert haben.
Bei der Auswahl sollte man auch auf Qualitätskriterien achten: Welchen Ruf hat der Anbieter, wie anerkannt ist die Ausbildung von dort? Handelt es sich um akkreditierte, sprich qualitätsgeprüfte Angebote?
Nebst der inhaltlichen Auswahl ist angesichts der unterschiedlichen Aus- und Weiterbildungsangebote auch zu berücksichtigen, wie viel Zeit man investieren möchte. Zeitlich reicht die Palette von mehrtägigen Kursen bis hin zu mehrjährigen berufsbegleitenden Studiengängen.
Für die Auswahl der passenden Organisationsform sollte man sich überlegen, was für die eigene Lebenssituation am besten passt bzw. womit man gut zurechtkommt: Braucht man ein strukturiertes Angebot mit einem festgelegten Stundenplan? Möchte man über die Woche verteilte Kurseinheiten am Abend absolvieren oder ist es leichter, wenn die Aus-/Weiterbildung geblockt stattfindet? Ist einem freie Zeiteinteilung, z.B. über einen E-Learning-Kurs oder ein Fernstudium, lieber?

Was ist bei der Selbstorganisation zu beachten?

Eine berufsbegleitende Aus- oder Weiterbildung ist häufig ein organisatorischer Kraftakt – Selbst- und Zeitmanagement sind hierbei gefragt, um sich Lernzeit und Freizeit neben der beruflichen Tätigkeit gut einteilen zu können.
Es hilft, sich realistische Ziele zu setzen und sich dazu zu überlegen: Wie viel Zeit kann und möchte man für eine Aus-/Weiterbildung investieren? Welche Angebote kommen dadurch infrage? Wie kann ich die erforderliche Zeit dafür "freiräumen"? Welche Unterstützung erhalte ich dafür – von Familie, von Freunden, vom Arbeitgeber?
Eine Rolle spielt auch die Entfernung zum Aus- bzw. Weiterbildungsort: Je häufiger man dorthin muss, desto wichtiger wird auch die Zeit, die man für An- und Rückreise benötigt.
Wenn die Kosten für die gewünschte Aus-/Weiterbildung ein mögliches Hemmnis sind, sollte man klären, ob es hierfür finanzielle Unterstützung / Weiterbildungsfinanzierung gibt. Darüber können z.B. Förderdatenbanken wie www.kursfoerderung.at oder bildungsfoerderung.bic.at/ einen Überblick geben.
Autor: red.